Welterbelauf

  last edited: Sun, 11 Sep 2016 21:04:42 +0200  
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Nun hab ich dieses Jahr also doch noch einen 10km Lauf gemacht. Das hatte Gründe. Auf einem alten Zechengelände zu laufen ist bestimmt interessant, ich mag das Ruhrgebiet und der beste Grund: deshalb hab ich den Lauf geschenkt bekommen.
Der Welterbelauf-Zollverein in Essen ist noch recht jung, dieses Jahr ging es dort erst zum dritten mal an den Start. Ich fand alles wirklich sehr gut und übersichtlich gemacht, zudem mit typisch direkter Ruhrpott-Freundlichkeit und vielen fleissigen Helfer an jeder Ecke. Die ganze Veranstaltung hatte eine überschaubare, sympathische Größe und die Zeche Zollverein ist natürlich auch optisch eine tolle Wahl.
Wie bei vielen anderen Volksläufe auch, fand ein umfassendes Rahmenprogramm statt: Bambini-, Schüler-, Jugendläufe und natürlich Walker sowie 5km und 10km. Dazu reichlich Fressbuden, viel Information über die Zeche sowie den Kohleabbau und diverse kleinere Aktivitäten die ich aber (aus Zeitgründen) nicht wirklich wahrgenommen hab. Mich hat beeindruckt mit wieviel Hingabe und Professionalität auch die kleineren Läufe von den Organisatoren durchgezogen wurden, das bekommt man nicht unbedingt bei jeder Veranstaltung geboten. Mehr davon, vielleicht bin ich nächstes Jahr wieder am Start.
Der 10km Lauf begann erst um 17:30 Uhr, immer noch bei 28°C, es gab ein kleines Briefing, dem niemand so recht folgen konnte ("erst links dann die nächste Runde rechts abbiegen, danach die nächste Runde links abbiegen..."), sehr spaßig und eigentlich überflüssig, da vorweg zwei Radfahrer und ein weisser Smart gefahren sind. Das Gelände ist zwar beeindruckend groß, aber für eine 10km Runde reicht es nicht, deshalb wurde zuerst eine kleine und danach zwei grössere Runde gelaufen (daher auch das Briefing). Verlaufen war unmöglich, alles perfekt beschildert und mit Helfern besetzt.
Obwohl ich die letzten Monate immer auf eher langen und ausdauernden Strecken unterwegs war, wollte ich auf dieser Strecke mal ein wenig Tempo machen, einfach zum Ausprobieren ob es klappt. Wieviel Kurven und Schlenker da auf uns Läufer zukamen, wusste ich noch nicht.
Aufstellung in dritter Reihe, Startschuss und los. Kurzes Sortieren, dann einpendeln auf 4:05er Pace und durchlaufen. Naja, Durchlaufen zumindest auf den graden Strecken, die vielen und teilweise engen Kurven wurden immer mal wieder zur Bremse. Fand ich aber nicht schlimm, hat die Strecke trotz der Wiederholungen interessant für die jeweils nächste Runde gemacht.
Bei der dritten und finalen Runde hab ich doch noch am VP zum bisher ignorierten Wasserbecher gegriffen und den mir fix über den Kopf gekippt, es war echt warm, wir vorderen Läufer haben ziemlich geglüht.
Ein kleines sympathisches Battle gab es auch noch, Mann in grünem Shirt ist lange mit mir gleichauf gelaufen, dann aber abgezogen, erst hab ich ihn laufen lassen, auf dem letzten Kilometer aber dann gedacht: "so nicht Freundchen", hab zum Schluss-Sprint angezogen, aufgeholt und wir sind zusammen über die Matte geprescht. Großer Spaß für uns beide, am Ende war ich in der Wertung geringfügig schneller.
Im Nachzielbereich erwartete uns richtig tolle und professionelle Verpflegung: Wasser, Obst, Müsliriegel, Iso, ... einfach alles was man sich so wünscht. Und durch die überschaubare (begrenzte) Teilnehmerzahl war nie irgendwas zu voll oder nervig, gemütliches Runterkommen auf dem Rasen war statt dessen angesagt.
Mir hat das alles riesig Spaß gemacht, das Wetter war fast zu warm aber trotzdem perfekt und mit meiner Platzierung bin ich mehr als zufrieden: Platz 18 mit 42:04 Minuten (2. in meiner AK).
Wer es unter 40 Minuten geschafft hat, dem wird nächstes Jahr übrigens die Startgebühr geschenkt. Ich zwar nicht, aber trotzdem eine sehr feine Sache.

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@Team Hubzilla Runners+
  
@Margitta YES!!
... und ich hab mir eh noch einiges vorgenommen die nächsten 12 Monate ...
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Hi Oliver,

für "nicht auf 10er trainiert" ist das doch ne prima Zeit, vor allem auf kurvigem Kurs bei Wärme, und 2. AK lässt sich auch sehen. Wenn ich die Ergebnisliste richtig gedeutet habe, gab es (m+w) 555 FinisherInnen, und davon Platz 19, das ist richtig gut!

Übernächstes Jahr startest du kostenlos, da bin ich mir sicher :-)

Liebe Grüße
Wolfgang
  
Hallo Wolfgang, ich bin ja auch voll zufrieden :-) Hatte bisher noch nie so eine Platzierung und da ist scheinbar noch Luft nach oben, wenn ich die letzten zwei Kilometer so im Nachhinein betrachte. Nächstes Jahr wird dann also vorab etwas präziser trainiert, wär doch gelacht :-)
Danke und liebe Grüße, Oliver
Ein Flachlandläufer in der Eifel

  last edited: Sun, 14 Aug 2016 20:22:37 +0200  from WordPress
"Ohne Monschau geht hier keiner raus!" waren die Worte, die mir eine freundlich lächelnde Frau sehr überzeugend erklärte, als ich im April eigentlich nur meine Startunterlagen für den Düsseldorf Marathon abholen wollte. Monschau, Eifel, das ist schon recht bergig dort, könnte schwer werden für mich alten Flachlandläufer. Aber diese Gedanken kamen mir überhaupt nicht in den Sinn, beziehungsweise die waren zwar da, aber ich wurde fix in ein nettes Gespräch verstrickt und plötzlich hatte ich diesen charmanten Flyer nebst Zeitung zum 40. Monschau Marathon in der Hand.
Ihr erinnert euch vielleicht, das war zu der Zeit als ich grade meine üblen Knieschmerzen bewältigt hatte und den Düsseldorf Marathon "einfach nur laufen" wollte, mit der Option, jederzeit auszusteigen (dazu kam es ja zum Glück nicht).
Und jetzt also einfach mal zur Abwechslung eine dezent herausfordende Strecke durch die Eifel laufen? Manchmal tickt man als Läufer scheinbar nicht ganz richtig.
Abends war ich angemeldet.

Die Vorbereitungen dafür waren nicht ganz einfach, Düsseldorf hat leider keine anständigem Berge zu bieten. Der nächste "Hügel" ist im Grafenberger/Aaper Wald mit sagenhaften 60 Meter Anstieg. Da bin ich also die letzten Wochen immer wieder hoch und runtergetobt, in der Hoffnung dass es reicht. Mit superdisziplinierter Vorbereitung hab ichs ja nicht so, diesmal musste aber irgendein Plan durchgezogen werden. Ich wollte möglichst viel und möglichst oft durch den Aaper Wald laufen und dabei einmal die Woche eine fiese Strecke mit etwa 500HM und mindestens 2,5 Stunden durchzuziehen. Das ganze dann auch noch mit einer Durchnittspace von 5:00. Also einfach mal dem Körper mehr abfordern als gewohnt. Soweit so gut, ich habs durchgezogen, mehr war nicht zu machen.

Monschau-Konzen, Marathon Tag, 14.08.2016
Perfektes Laufwetter, irgendwas um 12°C, Sonne, leichte Wolken, und ich aufgeregt bis unter die Haarspitzen.
Die Veranstaltung selbst kann man überhaupt nicht genug loben, das Orga-Team macht echt alles richtig. Die Versorgung aller Beteiligten ist vorbildlich, es herrscht grundsätzlich eine sehr freundliche angenehme Athmosphäre, sogar der Start ging ohne Gedränge über die Bühne. Neben einem fetten Rahmenprogramm werden diverse verschiedene Läufe über vier Tage geboten, seit 5 Jahren ist nun sogar ein Ultramarathon über 56km dabei.
In Konzen und den Nachbargemeinden scheint irgendwie jeder mitzumachen, unglaublich, wenn man mitten im Grünen plötzlich auf Menschen-Ansammlungen trifft, die einen anfeuern. Oder wenn zusätzliche private Verpflegungspunkte aufgebaut werden. Ich war wirklich schwer begeistert, und bin es noch.
Das Höhenprofil der Strecke ruft irgendwas um 750 Meter auf, das mag für euch Trailläufer ein Witz sein, für mich ist das eine ziemliche Herausforderung. Ab Start geht es erstmal nur runter, etwa 7,5 Kilometer. Danach wirds ernst. Die erste 21 Kilometer gingen aber ehrlich gesagt recht gut, die berüchtigte Steigung ab Holderbachtal war ok für mich, ich hatte Schlimmeres befürchtet. Oder auch: ein grosser Fehler die HM Distanz so schnell zu laufen, das sollte sich später bitter rächen. Ab Brather Hof (21km) heißt es offiziell "der schwierigste Teil ist überstanden und wer die Kräfte gut eingeteilt hat wird die 2. Hälfte eine kürzere Zeit laufen". Genau, wer die Kräfte gut eingeteilt hat. Hatte ich nur in Maßen. Aber noch ging es, bis zur für mich gemeinsten Steigung bei km35 nach Leyloch. Die Rache des schnellen erstes Teils folgte. Plötzlich war ganz übel die Luft raus, ich musste eine Gehpause einlegen und bin 5 Minuten mit zwei netten Ultras die Steigung hochmarschiert. Anhöhe erreicht, Zähne zusammenbeissen, gute Wünsche von den Ultras bekommen und weiter gings.
Meine Stimmung war zwar trotzdem die ganze Zeit über super, kein Wunder bei der tollen landschaftlichen Strecke, aber die Waden wurden ab km38 sehr schwer, also alles langsamer angehen. Die letzten paar Kilometer sind dann nochmal wirklich gemein, da kommt dann plötzlich allen ernstes noch ein kurzes Stück Steigung. Mit Rennen war nix mehr, ich bin hochgeschlurft. Nicht schlimm, alle anderen auch.
Und endlich kam er in Sicht: Der Konzener Kirchturm! Jetzt los und im Tribünenschritt durchs Ziel! 700 Meter vorm Ziel: Wadenkrampf! Das war so absurd dass ich laut lachen musste, was wiederum schnell zur Entspannung führte und ich schließlich doch relativ locker durchs Ziel gelaufen bin. Die Waden waren zwar beleidigt, aber es ist auch anschliessend nichts mehr passiert. Viel trinken, viel essen, wie gesagt, im Zieleinlauf war reichlich Verpflegung vorhanden. Ich hätte mich also doch noch etwas mehr im Aaper Wald quälen müssen.
Meine Zielzeit netto: 3:55:17 Stunden. Damit bin ich mehr als hochzufrieden, wusste ja nicht genau was mich erwartet und hab mit irgendwas satt über vier Stunden gerechnet.
Alles in allem wirklich ein ganz wunderbarer Lauf, mit schöner Strecke und perfekter Organisation.
Monschau: ich komme wieder.
Gelaufen bin ich wieder mit den Altra One, war eine sehr gute Wahl, die stecken alles weg was die sehr abwechslungsreiche Strecke zu bieten hat.

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@Team Hubzilla Runners+